DFK_plak_200Erich Kästners Jugendbuchklassiker ‚Das fliegende Klassenzimmer‘ entstand 1933. Kästner selbst hat das Buch als seinen besten Roman für junge Leser bezeichnet.

Bis heute zählt es zu den beliebtesten Kinderbüchern und wurde mehrfach verfilmt. Nach dem Riesenerfolg von Kästners ‚Emil und die Detektive‘, das seit der Premiere 2010 fast einhundert Mal vor meist ausverkauftem Haus im JTB lief, zeigt das Junge Theater Bonn jetzt ‚Das fliegende Klassenzimmer‘ in einer neuen Bühnenbearbeitung für Zuschauer ab acht Jahren.

Das Geheimnis von Kästners Erfolgsroman liegt wohl an der genauen Zeichnung der Charaktere, die bis heute nichts von ihrer Aktualität verloren haben. Die Schüler des Internates sind ganz normale Kinder, wie sie unterschiedlicher kaum sein könnten. Martin ist arm, Matze schlecht in der Schule, immer hungrig, dafür aber stark. Uli ist klein, pfiffig und hat es satt, ängstlich zu sein. Sebastian, des Sohn des Direktors, gilt als arrogant. Johnny Trotz, der Klassensprecher, ist mit einer etwas überbordenden Phantasie ausgestattet. Selbst seine eigene Herkunft klingt für alle wie ein Märchen, denn er behauptet sein Vater fahre als Kapitän eines riesigen Ozeandampfers über alle Weltmeere.

Johnnys neuste Idee ist, ein Theaterstück aufzuführen: Wie schön wäre es, die Welt mit dem Flugzeug zu bereisen, und alle Orte wirklich kennenzulernen, statt sie im Unterricht nur theoretisch zu behandeln: Das fliegende Klassenzimmer.

Eigentlich könnte es eine wunderbare Schulaufführung werden, gäbe es in dem Internat nicht auch die Externen, die Kinder, die nicht in dem Internat wohnen, sondern in der Stadt, die aber mit den Freunden in die gleiche Klasse gehen. Seit Generationen gibt es Zoff zwischen den beiden Gruppen. Quasi prähistorischen Zoff.

Am Rande einer Theaterprobe wird Sebastians Tasche gestohlen, in der er die Hefte mit den Klassenarbeiten zu seinem Vater, dem Direktor, nachhause tragen sollte. Schnell ist klar, dass die Externen dahinterstecken. Doch kurz darauf ist dann auch noch Sebastian selbst verschwunden. Johnny und seine Freunde beschließen, nach ihm zu suchen, obwohl sie sich dafür unerlaubt vom Schulgelände verlassen müssen.

Dass sie dabei das Vertrauen ihres Klassenlehrer Dr. Bökh, den sie alle ‚Justus, den Gerechten‘ nennen und zu dem sie eigentlich ein gutes Verhältnis haben, verletzten, ist jetzt nicht zu vermeiden. Hilfe finden sie beim Nichtraucher, einem Menschen, der in einem Eisenbahnwagen wohnt und zu dem die Jungs gehen, wenn sie ausnahmsweise einmal nicht mit Justus reden können. Hier halten sie Kriegsrat.

Im Keller des Hauses, in dem eins der externen Mädchen wohnt, finden sie Sebastian schließlich gefesselt und geknebelt wieder. Doch von den Klausuren ist nichts mehr zu sehen. Fast nichts...

Es ist eine Geschichte voller Abenteuer, aber vor allem auch eine Geschichte über das Abenteuer der Kindheit. Eine Geschichte über Schwächen und Stärken, Freundschaften und Herausforderungen, Mut und Zivilcourage und ebenso wie das Leben voller Überraschungen.

Volker Maria Engel hat 'Das fliegende Klassenzimmer' für das JTB behutsam modernisiert und inszeniert das Stück mit Mitgliedern des Profi-Ensembles und insgesamt 20 Kindern und Jugendlichen aus dem Nachwuchsensemble. Das Bühnenbild gestaltet Sandra Van Slooten, für die Kostüme zeichnet Brigitte Winter verantwortlich. Die Premieren fanden am 7. und 8. September 2012 statt.

Zum Autor:
erichkästner_100Erich Kästner wurde 1899 in Dresden geboren und ist einer der bedeutendsten deutschen Kinder- und Jugendbuchautoren, der aber auch Satiren, Gedichte und Drehbücher schrieb. 1928 erschien das erste der beiden Bücher, die ihn auf einen Schlag weltberühmt gemacht haben: Der Gedichtband ‘Herz auf Taille‘. Ein Jahr später folgte das Kinderbuch ‘Emil und die Detektive‘. Bis 1933 erschienen zahlreiche Bücher, die seinen Erfolg festigten, darunter auch ‘Pünktchen und Anton‘ und ‘Das fliegende Klassenzimmer‘.

"Wie kann ein erwachsener Mensch seine Jugend so vollkommen vergessen, dass er eines Tages überhaupt nicht mehr weiß, wie traurig und unglücklich Kinder zuweilen sein können", fragte Kästner einst, der zunächst auch viel Kritik einstecken musste, da er seinen jungen Lesern gesellschaftliche und soziale Probleme in seinen Romanen zumutete.

Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten wurden seine Bücher verbrannt und Kästner erhielt Publikationsverbot. Nach Ende des Krieges leitete Kästner das Feuilleton der ‘Neuen Zeitung‘ und gründete das Kabarett ‘Die Schaubude‘. Allmählich begann er wieder Bücher zu schreiben, und zwar zunehmend für Kinder. 1957 wurde er mit dem Georg-Büchner-Preis und 1960 mit dem Hans-Christian Andersen-Preis ausgezeichnet. Am 29. Juli 1974 starb Erich Kästner in München.